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Herrenlose Hunde und das Tierheim

In vielen türkischen Städten und Gemeinden streunen viele herrenlose Hunde durch die Straßen. Als Lösung des Problems werden alljährlich im ganzen Land massenweise Hunde auf brutale Weise getötet, zum Beispiel indem Giftköder ausgelegt werden und dadurch die Tiere einen qualvollen Vergiftungstod sterben. Doch im nächsten Jahr hatte sich die Hundepopulation wieder erholt und die nächste Generation war nachgerückt. In Fethiye setzt die Gemeinde - auf Initiative des Bürgermeisters und des Landrates - auf eine langfristige Lösung.

Vor mehreren Jahren ließ die Gemeinde Fethiye auf einem 43.000 Quadratmeter großen Gelände ein Tierheim errichten. Ziel war es, zunächst eine Auffangstation für die herrenlosen Hunde zu errichten.

Perihan Agnelli, die Leiterin des Tierheimes, die vorher im Umweltschutz tätig war, setzte ein anderes Konzept durch: Die Hunde sollten medizinisch versorgt und kastriert werden, und dann, mit einer Ohrmarke versehen, wieder in die Freiheit beziehungsweise an ihren angestammten Platz zurückgebracht werden. Denn nur so lässt sich der Teufelskreis andauernden Nachwuchses durchbrechen.

Die Hunde werden im Tierheim zunächst gegen Zecken und Flöhe behandelt und medizinisch versorgt. Kranke Hunde werden in einer wenn auch etwas beengten Quarantänestation gepflegt, damit sie die gesunden Hunde im Tierheim nicht anstecken können. Danach werden alle Hunde kastriert. Sie bekommen eine Ohrmarke und werden an ihren angestammten Platz zurückgebracht. Das hat mehrere Effekte: Straßenhunde können sich nicht länger vermehren.

-Auch ein kastriertes Tier verteidigt sein Revier gegen neue Hunde.
-Die Bürger erkennen an der Ohrenmarke, dass es sich um ein gesundes, kastriertes Tier handelt; somit wird bei der Bevölkerung die Akzeptanz von Straßenhunden insgesamt verbessert.

-Hinzu kommt, dass kastrierte Hunde weniger aggressiv sind und dadurch auf weniger Ablehnung bei der Bevölkerung stoßen, die in der Türkei Hunden gegenüber prinzipiell eher negativ gegenübersteht.

-Die Hunde werden von den Mitarbeitern des Tierheims, der örtlichen Bürgerpolizei oder von Privatleuten zur Kastration ins Tierheim gebracht. Privatleute bekommen pro abgegebenem Hund eine Fangprämie von rund 2 Euro. Jedes Jahr wechselt die Farbe der Ohrmarke, sodass insbesondere die Bürgerpolizei weiß, wann die Hunde zu einer Impfauffrischung ins Tierheim zurückgebracht werden sollten.


Mobile Tierklinik

Um den Aktionsradius zu vergrößern und zahlreichen Bitten jenseits von Fethiye entsprechen zu können, wurde ein Bus mit integriertem Operationstisch gekauft. Diese „mobile Tierklinik“ fährt seitdem auch in entfernter gelegene Dörfer, um die Hunde zu kastrieren. Soweit die Hunde gesund sind, werden sie nach einer rund zweistündigen Aufwachphase an Ort und Stelle wieder ausgesetzt. Um dies medizinisch verantworten zu können, achten die Tierärzte auf zwei Dinge:

Zum einen wird, ganz im Gegensatz zu sonst üblichen Operationsmethoden in der Türkei, der Operationsschnitt möglichst klein gehalten. Zum anderen wird die Wunde unter der Haut vernäht, sodass der Hund den Faden nicht aufbeißen oder weglecken kann. Auch Katzen werden hin und wieder nach der gleichen Methode kastriert, sowohl in der mobilen Klinik wie auch im Tierheim in Fethiye.
Auch Rassehunde werden kastriert. Tierheimleiterin Agnelli lehnt die Unterscheidung zwischen „guten Rassehunden“ und „minderwertigen Straßenhunden“ ab. Sie wehrt sich prinzipiell gegen Hundezucht – angesichts der Massen von herrenlosen Hunden. Schließlich gebe es genügend Straßenhunde, die liebebedürftig sind und sich nach einem Besitzer sehnen. Grundsätzlich kann jeder das Tierheim in Fethiye besuchen. Insbesondere Schulklassen werden gezielt eingeladen.

 

Gerade Kindern soll die Angst vor Hunden genommen werden. Auf dem  Areal, plant Perihan Agnelli ein Informations- und Ausbildungszentrum. Wichtige Garanten für das Gelingen des Projekts sind weitere freiwillige Helfer und Tierärzte. Finanziert wird das Projekt, durch Privatleute und zahlreiche Hilfsorganisationen wie dem schweizerischen „Marching Animal Welfare Trust“, IFAW (Internationale Tierschutz-Fonds), RSPCA International und „Stichting Buitenlandse Aseilen“ aus Holland.

 

Die Münchener „Tierhilfe Süden“ unterstützte das Projekt 2001 mit 34.000 Mark, finanzierte im Jahre 2003 einen mehrwöchigen Aufenthalt einer Praktikantin aus Sofia und zahlte für die beiden Tierärzte jeweils 1.000 Euro im Monat.

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